
Die Swiss-Bearbeitung, auch als Swiss-Drehen bekannt, ist ein hochpräzises CNC-Bearbeitungsverfahren, das auf einer speziellen Art von Drehmaschine durchgeführt wird, die eigens für die Herstellung kleiner und komplexer Bauteile entwickelt wurde.
Swiss-Drehmaschinen arbeiten mit äußerst geringen Toleranzen und ermöglichen kürzere Zykluszeiten als herkömmliche Drehmaschinen, was sie besonders attraktiv für die Fertigung komplexer Teile in größeren Stückzahlen macht.
Lassen Sie uns die Grundlagen dieses modernen Drehverfahrens näher betrachten.
Swiss-Drehmaschinen wurden ursprünglich vom Schweizer Uhrmacher Jakob Schweizer entwickelt, um extrem kleine Teile für die Uhrenindustrie herzustellen. Die erste Swiss-Drehmaschine entstand in den 1870er Jahren, doch erst in den 1960er Jahren gewann sie auch in anderen Industriezweigen an Popularität – dank ihrer hohen Präzision und geringen Fehlerquote.
Bei einer CNC-Swiss-Maschine schiebt der bewegliche Spindelstock das Stangenmaterial durch eine Führungsbuchse. Der restliche Werkstoff wird fest im Spannfutter hinter der Buchse gehalten und ist dem Werkzeugbereich nicht direkt ausgesetzt.
Sobald ein Abschnitt des Werkstücks bearbeitet wurde, wird das Stangenmaterial entlang der Z-Achse weitergeschoben, sodass der nächste Abschnitt bearbeitet werden kann. Diese segmentierte Vorgehensweise ermöglicht eine schnelle und präzise Bearbeitung, da sie das Durchbiegen des Werkstücks bei hohen Schnittkräften verhindert und die Genauigkeit erhöht.
Moderne Swiss-Drehmaschinen verfügen meist über eine oder zwei Hauptspindeln sowie eine oder zwei Rückspindeln. Die Hauptspindel wird für die meisten Bearbeitungsschritte verwendet. Die Rückspindel, die sich hinter dem Werkstück befindet, übernimmt das abgetrennte Teil und führt daran verschiedene sekundäre Bearbeitungsschritte wie Bohren oder Gewindeschneiden durch, die vor dem Abtrennen nicht möglich waren.
Nach Abschluss dieser Bearbeitungsvorgänge wirft die Rückspindel das fertige Teil automatisch in einen Behälter aus, sodass keine manuelle Teileentnahme durch einen Bediener erforderlich ist – ein klarer Vorteil gegenüber herkömmlichen CNC-Drehmaschinen.
Bezüglich der Materialien werden Swiss-Drehmaschinen überwiegend für Metalle (Kohlenstoffstahl, Aluminium, Edelstahl, Messing etc.) sowie gelegentlich für Kunststoffe (wie Nylon oder Polycarbonat) eingesetzt – Holz ist hingegen eher unüblich.
Swiss-Drehmaschinen sind im Allgemeinen flexibler, produktiver und präziser als konventionelle Drehmaschinen. Nachfolgend einige wesentliche Unterschiede:
Konventionelle Drehmaschinen besitzen einen festen Spindelstock, der das Werkstück an einem oder beiden Enden (mittels Reitstock) hält. Swiss-Maschinen hingegen verfügen über einen beweglichen Spindelstock, wodurch das Werkstück während der Bearbeitung entlang der Z-Achse verschoben werden kann.
Bei der Swiss-Bearbeitung wird das Werkstück segmentweise bearbeitet, indem der jeweilige Abschnitt durch die Führungsbuchse vorgeschoben wird. Diese Segmentierung sorgt für gleichbleibende Präzision und ermöglicht die Fertigung von CNC-Teilen mit engen Toleranzen.
Traditionelle Drehmaschinen führen jeweils nur einen Arbeitsschritt aus und wechseln das Werkzeug nach jedem Abschnitt. Dadurch ist die Bearbeitung langsamer als bei Swiss-Maschinen, jedoch ist das gesamte Werkstück direkt zugänglich, während bei Swiss-Maschinen das Stangenmaterial durch die Buchse geführt wird.
Eine konventionelle Drehmaschine hält das Werkstück fixiert im Spannfutter der Hauptspindel. Bei längeren Werkstücken mit einem Längen-Durchmesser-Verhältnis über 4:1 kann es zu Durchbiegungen kommen.
Eine Swiss-Drehmaschine hingegen stützt das Werkstück mit einer Führungsbuchse. Die Bearbeitung erfolgt unmittelbar an der Buchse, wodurch Durchbiegung und Verformung verhindert werden. Zudem sind mit Swiss-Maschinen tiefere Schnitte in einem Durchgang möglich, da die Führungsbuchse das Werkstück optimal abstützt.
Es gibt auch CNC-Drehmaschinen mit beweglichem Spindelstock ohne Führungsbuchse. Diese ermöglichen schnellere Rüstzeiten und bessere Rundlaufgenauigkeit, sind aber vor allem bei kürzeren Werkstücken mit geringem Längen-Durchmesser-Verhältnis vorteilhaft.
Swiss-Maschinen verkürzen die Fertigungszeiten bei komplexen Geometrien deutlich, da sie mehrere Bearbeitungsschritte gleichzeitig ausführen können. Die Achszahl einer Swiss-Drehmaschine reicht von 7 bis 13, während konventionelle Maschinen meist nur 2 bis 5 Achsen besitzen.
Die automatische Zuführung des Stangenmaterials reduziert Stillstandszeiten und erhöht die Produktivität, da kein manueller Werkstückwechsel erforderlich ist.
Beim Swiss-Drehen wird Öl als Kühlschmiermittel verwendet, während konventionelle Drehmaschinen meist mit Wasser arbeiten. Obwohl Öl eine geringere Wärmekapazität besitzt, sorgt seine hohe Schmierfähigkeit für weniger Reibung und geringere Wärmeentwicklung. Ein weiterer Vorteil: Öl reduziert den Werkzeugverschleiß und schützt vor Korrosion.
Je nach Komplexität benötigen Teile, die auf konventionellen Drehmaschinen gefertigt werden, oftmals zusätzliche Nachbearbeitung. Swiss-Drehmaschinen liefern so präzise und feine Ergebnisse, dass weitere Bearbeitungsschritte meist nicht oder nur in geringem Umfang erforderlich sind.
Swiss-Drehmaschinen sind in der Regel teurer als konventionelle Maschinen, da sie ein fortschrittlicheres Design und vielfältigere Werkzeugoptionen bieten. Der Preisunterschied ist jedoch nicht so groß, wie häufig angenommen wird, da es auch Swiss-CNC-Maschinen gibt, die preislich nur geringfügig über konventionellen Maschinen liegen.
Bei größeren Serien komplexer Teile zahlt sich die Investition in eine Swiss-Drehmaschine trotz höherer Anschaffungskosten langfristig wirtschaftlich aus.
Die hohe Produktionsgeschwindigkeit und Präzision machen Swiss-Drehmaschinen ihren herkömmlichen Pendants in vielen Bereichen überlegen:
Trotz aller Vorteile bringt die Swiss-CNC-Bearbeitung auch einige Einschränkungen mit sich:
Swiss-Drehmaschinen sind äußerst vielseitig und daher ideal für die Fertigung von Bauteilen in verschiedensten Branchen:
