
Trotz aller teuren und hochmodernen Werkzeuge, die in der Metallverarbeitung zum Einsatz kommen, greifen selbst professionelle und erfahrene Konstrukteure immer wieder zu einem einfachen Stück Karton, um ihreuteile zu entwerfen. Das ist keineswegs übertrieben. Wer schon einmal Zeit mit einem Metallbauer verbracht hat (oder entsprechende Videos im Fernsehen oder auf YouTube gesehen hat), kennt sicher den Spruch: „Das designe ich in CAD – Cardboard Aided Design.“
Es gibt zahlreiche günstige Materialien, die dabei helfen können, die Form eines Bauteils zu bestimmen, bevor überhaupt Metall bearbeitet wird. Karton erfüllt dabei alle Anforderungen: Er ist preiswert (oft sogar kostenlos), lässt sich leicht bearbeiten und verändern und ist stabil genug, um seine Form zu halten. Sobald die Form steht, kann man sie einfach abflachen und aus Metall ausschneiden oder ein Foto machen und die Konturen in CAD nachzeichnen.
Bei einfachen Bauteilen kann man oft direkt zum Endmaterial greifen und auf einen Prototypen verzichten. Wie in allen handwerklichen Bereichen gilt: Mit etwas Erfahrung gelingt das häufiger auf Anhieb. Doch sobald die Teile komplexer werden, ist es meist schneller und günstiger, Fehler zunächst an einem Karton-Prototypen zu machen. Wie kann es schneller und günstiger sein, etwas zweimal zu machen? Wir erklären es.
Wer bis hierhin gelesen hat, ist vermutlich von den Vorteilen des Karton-Prototypings überzeugt – oder zumindest neugierig. Im Folgenden stellen wir Materialien und Werkzeuge vor, mit denen Sie schnell ansehnliche Prototypen herstellen können.
Offensichtlich braucht man Karton – oder? Nicht immer. Karton ist hervorragend, wie wir bereits ausführlich erklärt haben. Für manche Projekte reicht aber auch ein einfaches Blatt Papier. Noch praktischer ist kariertes Papier, das später im Prozess hilfreich sein kann.

Beim Karton gibt es verschiedene Varianten. Die meisten denken zunächst an Wellpappe.

Daneben gibt es auch Karton ohne Wellenstruktur, zum Beispiel von Müsliverpackungen. Dieser Karton ist dünner, nur eine Lage, lässt sich sauber und einfach zuschneiden und ist dennoch stabil genug, um dreidimensionale Formen zu modellieren.
Nachdem wir das Material betrachtet haben, kommen nun einige einfache Werkzeuge. Sie brauchen nicht alle davon, aber wir haben sie bei früheren Projekten als nützlich empfunden.

Bereit, einen Prototypen aus Karton zu bauen? Folgen Sie diesen Schritten – so gehen wir vor.
Irgendwo muss man anfangen. Wir messen alles, womit unser Bauteil in Berührung kommt. Gibt es Bauraumbeschränkungen, sollten sie jetzt ermittelt werden.

Meist hat man schon eine Vorstellung von der Form, andernfalls ist ein rechteckiges Kartonstück ein guter Start. Schneiden Sie die Kanten passend zu angrenzenden Bauteilen zu. Markieren Sie die Positionen von Bohrungen. Müssen Sie Biegungen einbauen, können Sie den Karton falten oder separate Stücke an den Biegestellen zusammenkleben. Wichtige Merkmale sollten zuerst festgelegt werden. Je nach Komplexität sind eventuell mehrere Iterationen nötig, um die Passform zu optimieren. Haben Sie zu viel weggeschnitten, kleben Sie einfach neues Material an oder übertragen Sie die Markierungen auf ein frisches Stück.
Scheuen Sie sich nicht, Notizen direkt auf die Vorlage zu schreiben: Biegerichtungen und -winkel, Kantenlängen, Lochabstände und -durchmesser können direkt auf die Schablone notiert werden.

Ist die Form grob angelegt, lohnt es sich, sie noch etwas zu verfeinern. Ist das ursprüngliche Kartonstück in gutem Zustand, kann es weiterverwendet werden – ansonsten einfach auf ein neues Stück übertragen. Mit einer geraden Kante lassen sich saubere Linien ziehen, runde Gegenstände helfen beim Nachzeichnen von Rundungen. Eine gerade Kante eignet sich auch, um saubere Faltlinien für Biegungen einzubringen. Jetzt können auch optische Details ergänzt werden. Nicht alles muss ausgeschnitten werden, manchmal reicht es, etwa Lochmuster oder Designelemente einzuzeichnen.
Falls Ihr Teil Biegungen hat, sollten Sie dieses auf eine flache Form „entfalten“. Sind mehrere Kanten mit Klebeband verbunden und lassen sich nicht einfach auseinanderfalten, muss eventuell eine Naht geöffnet werden. Komplexe Blechgeometrien sind eine kleine Kunst für sich, aber das physische Modell hilft, die richtigen Kanten zu bestimmen.
Sind Sie mit der Form und der flachen Ausführung zufrieden, geht es an den Computer. Am einfachsten legen Sie das Teil flach hin und fotografieren es, um das Bild in die CAD-Software Ihrer Wahl zu importieren. Hier ein paar Tipps für ein optimales Ergebnis:


Importieren Sie das beste Bild in die CAD-Software Ihrer Wahl. Erhöhen Sie gegebenenfalls die Transparenz des Bildes, um besser zeichnen zu können. Zeichnen Sie die Formen und Merkmale sorgfältig nach. Falls das Foto nicht ganz stimmt, können Sie die Maße auch direkt abnehmen und eingeben. Die Vorlage muss nicht exakt übereinstimmen – reale Maße sind entscheidend.
Sobald das Bauteil digitalisiert ist, empfehlen wir, die erstellte Form auszudrucken und die Passform nochmal zu prüfen. Dies dauert nur wenige Minuten und Fehler lassen sich jetzt viel leichter korrigieren als nach dem Zuschnitt aus Metall. Viele unserer Kunden mit eigenen kleinen Lasercuttern schneiden die digitale Datei sogar im Karton oder in einem anderen günstigen Material wie MDF oder Sperrholz aus.
Passt alles, kann es losgehen.

Für unser Beispielprojekt haben wir 5052 Aluminium und eine schwarze Strukturbeschichtung Pulverbeschichtung gewählt.
Beim Erstellen von Prototypen gibt es einige Stolpersteine. Mit etwas Vorausplanung lassen sich viele Probleme vermeiden.

Mit einem günstigen Material wie Karton einen Prototypen oder eine Schablone zu bauen, ist eine hervorragende Methode, um die Passform komplexer Designs abzustimmen. Ebenso eignet sich Karton ideal, um digitale Entwürfe vor dem Zuschnitt zu testen. Wir hoffen, dieser Artikel konnte Ihnen hilfreiche Tipps für einen möglichst reibungslosen Ablauf geben.
