
Sie haben ein defektes Teil, ein funktionierendes Muster oder vielleicht sogar gar kein Teil erhalten und sollen nun eine Blaupause für die Nachfertigung erstellen. Das Reverse Engineering bestehender Teile ist keine leichte Aufgabe, doch mit einigen einfachen Tipps lässt sich dieses Ziel erfolgreich erreichen. Der folgende Artikel zeigt Ihnen, wie Sie bestehende Teile mit möglichst wenigen Iterationen rekonstruieren können.
Ein gutes Set an Zoll-/Metrik-Messschiebern ist beim Reverse Engineering unerlässlich. Bevor Sie mit dem Engineering-Prozess beginnen, sollten Sie wissen, ob das Teil ursprünglich in imperialen oder metrischen Einheiten gefertigt wurde. Bei größeren Teilen kann ein Lineal oder Maßband mit dualer Skalierung hilfreich sein.
Das Erkennen der metrischen Herkunft eines Produkts kann Ihnen beim Reverse Engineering einen Vorsprung verschaffen. Beachten Sie, dass die Einheiten oft gemischt vorkommen. Es kann sein, dass beispielsweise die Befestigungselemente in einer Einheit und der Rest des Teils in einer anderen gefertigt wurden.
Dies ist eine gängige Designstrategie für Produkte, die möglicherweise für den US-Markt bestimmt sind oder diesen verlassen:
Ein weiterer wichtiger Aspekt beim Reverse Engineering ist die Einschätzung, ob das Originalteil über- oder unterdimensioniert war.
Wenn Sie ein gebrochenes Teil rekonstruieren, ist manchmal offensichtlich, warum es versagt hat, sodass Sie versucht sein könnten, das Design zu verbessern. Bevor Sie dies jedoch tun, sollten Sie überlegen, warum das Teil ursprünglich so konstruiert wurde und welche Vorteile dies möglicherweise hatte.
Beispielsweise sollten Sie wissen, worauf Sie achten müssen, wenn ein Teil mechanisch ausgestanzt wurde.
In einem solchen Fall könnten Sie das Teil ruhig dicker ausführen.
Wenn möglich, prüfen Sie, ob sich zwei Bauteile zu einem zusammenfassen oder ein Teil in separate Komponenten aufteilen lässt, weil sich dadurch die Fertigung vereinfachen lässt.
Überlegen Sie als Nächstes, wie Sie das Teil konstruieren würden, wenn Sie der Originaldesigner wären. Viele Teile haben einen Ursprungspunkt, der das Schlüsselelement darstellt. Dies kann ein Lager, ein Befestigungsloch, eine Biegung oder eine entscheidende Passkante sein. Von diesem Punkt aus lässt sich das restliche Teil einfacher entwickeln, da Referenzmaße oft vom Schlüsselmerkmal ausgehen.
CAD ist ein hervorragendes Werkzeug fürs Reverse Engineering und die Übertragung zwischen Entwurf und Realität. Viele Unternehmen und Privatpersonen verfügen bereits über die nötigen Mittel, um von der Computerzeichnung zum realen Teil und zurück zu gelangen. Ein Drucker und ein Scanner sind dabei oft unterschätzte Hilfsmittel im Konstruktionsprozess. (Achten Sie nur darauf, die Skalierung korrekt einzustellen!)
Die meisten CAD-Programme bieten die Möglichkeit, ein Referenzbild zu importieren. Das Einscannen von Bildern ist dabei präziser als die Nutzung einer Digitalkamera, da Scanner die Formen maßstabsgetreu übertragen. Digitalkamerabilder können Verzerrungen aufweisen. Mit einem Scanner können Sie das Bauteil direkt über dem eingescannten Bild zeichnen.
Gerade bei Haltern oder Klammern mit komplexen Geometrien kann das Scannen helfen, auch wenn sich manche Maße schwer eindeutig bestimmen lassen. Besonders bei geschwungenen Geometrien ist diese Methode sehr hilfreich.
Größere Bauteile können abschnittsweise eingescannt und anschließend mit Bildbearbeitungssoftware „zusammengenäht“ werden. Mit einfachen Markierungen oder Linien lassen sich auf dem realen Teil gute Bezugspunkte für die Digitalisierung setzen.
Ist die Konstruktion fertig, können Sie das Teil einfach ausdrucken und zur Probe anpassen. Für einen noch besseren Test lässt sich der Entwurf auf Karton oder Pappe übertragen. So können Drehpunkte und Freiräume geprüft werden, größere Designs lassen sich mit Markierungen zur Ausrichtung versehen. Ein einfaches Bastelmesser und Malerkrepp bieten sich an, um Teile auszuschneiden, Abschnitte zu verbinden oder die Schablone zu übertragen.
