
Sie bauen gerne Dinge selbst und fahren leidenschaftlich Fahrrad – wer tut das nicht? Vielleicht besitzen Sie sogar mehrere Fahrräder für unterschiedliche Bedingungen: Ein Mountainbike für gelegentliche Wochenendausflüge auf den Trails. Das Rennrad, das auf glattem Untergrund viel effizienter ist, wobei das Thema Verkehr immer im Hinterkopf bleibt. Und dann gibt es noch das angesagte Gravel-Bike, das Effizienz, Komfort und die Möglichkeit bietet, auf Strecken zu fahren, die fast an Singletrails heranreichen, ohne dass Sie gleich im Krankenhaus landen.
Was wäre, wenn Sie dazu noch eine Rahmengeometrie und Materialien kombinieren könnten, die genau Ihrem bevorzugten Fahrstil entsprechen und das Rad Ihre Fahrkünste bei weitem überdauert – wo kann ich unterschreiben? Natürlich könnten Sie ein solches Fahrrad kaufen, aber das kostet schnell mehr als ein ordentliches gebrauchtes Auto.
Vor allem anderen brauchen Sie den Willen: Alles andere ergibt sich fast von selbst. Das mag eine leichte Vereinfachung sein, doch mit Interesse, einigen handwerklichen Fähigkeiten und passenden Materialien könnte es tatsächlich funktionieren.
Neben grundlegendem technischen Verständnis sind Kenntnisse im TIG-Schweißen oder beim Hart- beziehungsweise Silberlöten für dieses Projekt unerlässlich. Wer bereits Erfahrung mit Fahrrädern hat (klarer Vorteil), ist im Vorteil, ebenso sind Fertigkeiten aus der Kfz- oder Kleinmotorenreparatur sehr hilfreich.
Wie bei jedem anderen Projekt empfiehlt sich ein Materialplan. Beim Bau eines Fahrrads von Grund auf müssen viele Entscheidungen getroffen werden – das bedeutet aber auch, dass Sie alle Komponenten gezielt auswählen und anpassen können. Wir unterteilen die Listen in drei Hauptkategorien:
Das Skelett des Fahrrads – der Rahmen – hält Sie im richtigen Abstand zu allen anderen Komponenten. Jedes Rohr wird entsprechend Flexibilität, Steifigkeit, Belastung und weiteren Faktoren gewählt. Diese Liste gilt für einen „starren“ oder „Hardtail“-Rahmen; für vollgefederte Räder sind weitere Schritte nötig.
Diese Auflistung wird oft als „Rohrsatz“ bezeichnet:

Die Auswahl des richtigen Rahmenrohrs beeinflusst die Fahrqualität entscheidend.
Nach der Auswahl des Rohrsatzes folgt die Spezifikation der Komponenten. Brauchen Sie eine Variostütze? Scheibenbremsen für kraftvolles Bremsen oder lieber einfache Felgenbremsen? Fahren Sie Singlespeed, 1x oder 2x für maximale Übersetzungsvielfalt? Diese Faktoren bestimmen wichtige Konstruktionsmerkmale – sie vorab zu klären, erspart späteren Ärger.
Die Werkzeugliste ist knifflig, denn Fahrradbauer arbeiten mit Setups von einfach (Metallsäge, Feile, Acetylenbrenner) bis hin zur komplett ausgestatteten Werkstatt. Hier ein mittlerer Ansatz:
Abgesehen von der korrekten Rahmengröße (dazu gleich mehr) ist die Materialwahl entscheidend für die Fahrqualität.
Weltweit bei Rahmenbauern beliebt, nicht nur weil er sich leicht verarbeiten lässt, sondern auch, weil Stahlrahmen ein unvergleichlich geschmeidiges Fahrgefühl bieten. Die große Auswahl an maßgeschneiderten Stahlrohrsätzen ermöglicht es, Länge, Profil, Durchmesser und Wandstärke exakt an den Verwendungszweck anzupassen. Zudem gibt es verschiedene Legierungen, die jeweils eigene Vorteile bieten.
Aluminium ist heute das meistgenutzte Material für Fahrradrahmen – wegen seines geringen Gewichts, der Korrosionsbeständigkeit und der leichten, günstigen Formbarkeit. Für individuelle Rahmen ist es jedoch weniger gebräuchlich, da das Schweißen schwieriger ist als bei Stahl und die Vorteile von hydrogeformten Monocoque-Rahmen bei herkömmlichen Schweißmethoden entfallen. Dennoch: Wer weiß, was er tut, kann daraus hervorragende Räder bauen.
Nichts für schwache Nerven (oder schmale Geldbeutel): Titan lässt sich schwer schweißen und das Material allein kann so viel kosten wie komplette Fahrräder aus anderen Werkstoffen. Warum ist es dennoch so beliebt im Custom-Bereich? Viele sagen, weil Titan den Fahrkomfort der besten Stahlrahmen mit der Korrosionsbeständigkeit und dem Gewichtsvorteil von Aluminium vereint – und dabei fast unzerstörbar ist.
Unabhängig vom Material gibt es einige wichtige Maße, damit Ihr Rahmen zu den gewünschten Komponenten passt.
Die Rahmenrohre sind ausgewählt, alle Komponenten für ein komplettes Rad mühsam zusammengetragen.
Jetzt beginnt der spannende Teil: Sehen wir uns Layout und Bauprozess an, damit Ihr Fahrrad nicht nur fahrbar, sondern über Jahre hinweg genussvoll benutzbar bleibt.
Keine Sorge, etwas Mathematik ist bei der Wahl der Geometrie nötig – aber nur wenig. Ziel ist, dass Sie im Sattel sitzend bequem an die Pedale kommen und Ihre Hände auch nach mehreren Minuten nicht einschlafen. So kommen Sie zu den passenden Maßen:
Ein Experte analysiert Ihre Sitzposition auf einem stationären Rad und misst in Echtzeit die Geometrie passend zu Ihrem Fahrstil (sportlich oder entspannt). Nachteil: die Kosten.
Vorteil: Wenn Sie genau messen und übertragen, kann nichts schiefgehen. Nachteil: Sie brauchen schon ein passendes Rad – für Einsteiger nicht ideal.
Nicht empfehlenswert! Falls keine Vermessung oder Referenzrad verfügbar ist, hilft vielleicht ein befreundeter Radfahrer oder ein freundlicher Händler, bei dem Sie Probe sitzen und Maß nehmen können.

Jedes Rahmenrohr hat je nach Fahrergröße eine individuelle Länge.
Wie das Fundament eines Hauses die Stabilität sichert, hält eine Rahmenlehre (Rahmen-Jig) die Rohre während des Schweißens oder Lötens in Position. Das ist essenziell: Ein schiefer Rahmen fährt sich wie ein krummer Brezel – unsicher und wenig erfreulich.
Leider kommen professionelle Rahmenlehren für Einzelbauten meist nicht in Frage.
Die lasergeschnittene Platte ermöglicht eine flexible Einstellung des Sattelrohrwinkels.
Wie bestimmen Sie Größe und Position Ihrer lasergeschnittenen Teile? Es gibt mehrere Wege, aber nehmen wir an, Sie möchten nicht stundenlang den kompletten Rahmen in CAD modellieren, nur um Ihre Rahmenlehre zu planen. Mit einem beliebigen Fahrrad und etwas Pappe lassen sich die wichtigsten Maße und Winkel abschätzen, die Sie dann in Ihre bevorzugte CAD-Software übertragen und für den Upload in unsere App vorbereiten.

Eine Rahmenlehre aus Aluminiumprofilen und lasergeschnittenen Platten – von uns gemacht.
Wer statt Profilen lieber auf Nuten- und Zapfendesign setzt, kann eine komplett lasergeschnittene und gebogene Rahmenlehre im Handumdrehen zusammenbauen.
Mit einer stabilen Rahmenlehre als Basis können Sie nun die Rohre zuschneiden, anpassen und verschweißen oder verlöten.
Achten Sie stets auf scharfe, saubere Schneidwerkzeuge, messen Sie Winkel doppelt und bedenken Sie: Ein zu langes Rohr lässt sich leichter kürzen als ein zu kurzes verlängern.
Egal ob Sie mit Bronze fillet-brazen oder mit Edelstahlzusatz TIG-schweißen: Schneiden und Anpassen aller Rohre sollte vor dem endgültigen Zusammenbau erfolgen.

Fertiger Gravelrahmen aus TIG-geschweißtem Stahl, bereit für die Lackierung.
In diesem Artikel haben wir die grundlegenden Bausteine vermittelt, um ein komplettes Fahrrad selbst zu bauen. Hier noch einige weitere Überlegungen.
Im Allgemeinen sparen Sie beim Selbstbau eines Rahmens viel Geld. Für hochwertigen, speziell konifizierten Stahlrohrsatz sollten Sie mit etwa 300–400 € rechnen, für eine Carbon-Gabel mit etwa dem gleichen Betrag. Ein Rahmenbauer verlangt für vergleichbare Maßarbeit ab ca. 2.000 €.
Sie wollen Titan pur? Eine Carbon-Sattelstütze statt klassischem Sattelrohr? Ein exzentrisches Tretlager oder ein internes Getriebe? Sie haben die Wahl – und je ausgefallener die Anpassung, desto besser das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Individuelle Topo-Lackierung passend zur maßgeschneiderten Geometrie.
Es versteht sich von selbst, dass Sie beim Bau eines eigenen Fahrrads zahlreiche spezielle Fertigkeiten erwerben oder verbessern können. Beispielsweise unterscheidet sich das TIG-Schweißen von gewöhnlichem Rohr erheblich vom Schweißen von 1,5-mm-Rohr im engen Fahrradrahmen. Nach diesem Projekt verfügen Sie über wertvolle Erfahrungen, die sich auf andere Bereiche übertragen lassen.
