
Das Entgraten unserer Bauteile (und opponierbaren Daumen) ist das, was uns von den Tieren unterscheidet. Es gibt zahlreiche Methoden, um Grate zu entfernen, doch wenn Konsistenz, Geschwindigkeit und Effizienz gefragt sind, sind automatisierte Entgratverfahren kaum zu übertreffen.
Wer sich schon einmal an einer scharfkantigen, rauen Metallkante nach dem Zuschnitt geschnitten hat, kennt Grate nur zu gut. Ein Grat ist einfach ein raues Materialstück, in der Regel Metall, das nach dem Schneiden eines Werkstücks zurückbleibt. Dies ist nicht zu verwechseln mit einem groben Schnitt, wie er etwa durch ein grobes Sägeblatt entsteht. Auch wenn grobe Schnitte häufig Grate hinterlassen, können diese entfernt werden, ohne dass der Schnitt dadurch unbedingt glatt wird.
Ein Grat ist überschüssiges Material, ein kleiner Span, der am Rand zurückbleibt. Er ist meist scharf und ragt in eine Richtung heraus. Manchmal ist ein Grat so klein, dass er kaum sichtbar ist – spürbar wird er jedoch, wenn man mit dem Fingernagel über die Kante fährt. Bleibt der Nagel an einer Stelle hängen, ist dort mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Grat.

Grat an lasergeschnittenem Blech
Wer schon einmal eigene Bauteile gefertigt hat, kennt das Problem: Nach jedem Schnitt bleibt ein Grat zurück. Dies lässt sich kaum vermeiden, unabhängig vom verwendeten Werkzeug. Ob Bügelsäge, Kreissäge, Trennscheibe, Plasmaschneider oder Tafelschere – alle hinterlassen Grate. Beim Plasmaschneider werden diese Rückstände oft Dross oder Schlacke genannt. Auch präzise Maschinen wie Fräsen oder Drehmaschinen erzeugen Grate an den Kanten. Bohrer und Stanzwerkzeuge bilden da keine Ausnahme – selten bleibt eine Bohrung gratfrei. Selbst Laserschneider mit ihrem feinen Schnittspalt und hochenergetischen Lichtstrahl hinterlassen Grate; dies ist schlicht die Folge des Materialabtrags.

Rohes, lasergeschnittenes Metallteil ohne Trommel- oder lineare Entgratung
Warum hinterlassen alle diese Schneidverfahren Grate? Die Gründe sind unterschiedlich. Mechanische Verfahren wie blattgeführte Werkzeuge, Scheren und Stanzwerkzeuge erzeugen Grate, weil das Werkzeug das Material auf mikroskopischer Ebene so lange verdrängt, bis es versagt. Dieses Versagen geht meist mit einer gewissen plastischen Verformung einher – das Material dehnt und staucht sich, bevor es bricht. Wenn das Werkstück schließlich getrennt ist, bleibt diese Verformung meist am Ende des Schnitts als Grat zurück. Abhängig von Richtung und Art der Verformung entstehen verschiedene „Grat-Typen“. Letztlich ist der Bildungsmechanismus jedoch ähnlich.
Bei thermischen Verfahren wie Laserschneiden, Plasmaschneiden oder Autogenschneiden läuft der Prozess etwas anders ab: Das Material wird im Schnittspalt geschmolzen oder verdampft und mittels Druckgas (Luft, Stickstoff oder Sauerstoff) ausgeblasen. Ein Teil des geschmolzenen Materials kühlt jedoch manchmal zu früh ab und erstarrt am Werkstück, bevor es vollständig entfernt wurde. Daher findet man typischerweise mehr Schlacke an der Unterseite eines thermischen Schnitts als an der Oberseite, wobei Ausnahmen möglich sind.
Feilen, Meißel und Entgratmesser sind bewährte, einfache Werkzeuge zur Gratentfernung. Sie sind kostengünstig, allerdings langsam und erfordern das manuelle Bearbeiten jeder einzelnen Kante.
Etwas schneller als die reine Handentgratung: Mit Schleifmaschine, Winkelschleifer oder Hartmetallfräser lassen sich Grate effizienter entfernen – dennoch muss jede Kante einzeln bearbeitet werden.
Für runde Bohrungen eignet sich ein Kegelsenker, um die Kante schnell zu reinigen. Für Außenkanten kann ein Fasenwerkzeug zuverlässig und gleichmäßig scharfe Ecken brechen. Wichtig ist die korrekte Tiefeneinstellung und das Führen des Anschlags entlang der Kante. Für sehr grobe Schnittkanten ist diese Methode jedoch ungeeignet. Im Notfall kann auch ein Hartmetall-Fasenfräser in einer Oberfräse zum Einsatz kommen.
Das Strahlen eines Bauteils kann feine Grate entfernen, stößt bei größeren und schwereren Graten jedoch an seine Grenzen. Es sorgt für eine gleichmäßige Oberfläche und entfernt alte Beschichtungen oder Korrosionsspuren.
Jetzt wird’s interessant: Beim Trommelentgraten – egal ob vibrierend oder zentrifugal – werden alle Kanten gleichzeitig bearbeitet. Sämtliche Bauteile können gleichzeitig in die Trommel gegeben werden, während die Maschine selbstständig entgratet. Noch besser: SendCutSend bietet jetzt Trommelentgratungsdienstleistungen an, die Sie direkt zu Ihren lasergeschnittenen Teilen bestellen können.
Sind Bauteile zu groß für die Trommel, kommt ein lineares Entgratungsverfahren wie Bandschleifer oder Timesaver zum Einsatz, das große, flache Teile bearbeiten kann. Die Methode ist jedoch auf ebene Flächen begrenzt.

Getrommelte Blechteile
Trommelentgratung klingt überzeugend – gibt es dennoch Vorteile für die lineare Entgratung?

Blechteil mit linearer Entgratung
Wählen Sie die Trommelentgratung anstelle der linearen Entgratung, wenn:
Blechteile mit linearer Entgratung links und getrommelte Teile rechts.
Mit keiner der beiden Methoden machen Sie etwas falsch – beide verbessern die Qualität Ihrer Bauteile auf ein neues Niveau.
